Meine Knöteriche

Fällt bei der Vorstellung eines Pflanzplanes beim Kunden das Wort „Knöterich“, ist in der Regel eine heftige Reaktion zu erwarten.

Persicaria amplexicaulis

„Nee !! Knöterich hatten wir schon mal. Der hat unser ganzes Haus überwuchert und wir hatten soviel Mühe, den wieder wegzubekommen.“

Dann holt der Gärtner tief Luft , sammelt sich und hält einen kleinen und hoffentlich erfolgreichen Vortrag über die Großartigkeit der Knöteriche, die er in den Garten pflanzen möchte. Nämlich nicht den rankenden Architektentrost Polygonum aubertii oder den bösen Neophyten Fallopia japonica, das andere schwarze Schaf der Familie. Sondern er erzählt von der Herrlichkeit von Persicaria amplexicaulis, der frühen Schönheit von Bistorta officinalis, der gewaltigen Pracht von Aconogonon „Johanniswolke“, den späten Reizen von Persicaria filiformis und der unentdeckten Eleganz von Polygonum kahil, der eigentlich Aconogonon tortuosum var. glabrifolium heißt. Womit schnell klar wird, daß es neben der bösen Verwandtschaft auch andere Gründe für die geringe Präsenz von „schönen“ Knöterichen in den Gärten geben könnte. Nomenklatorisches Chaos war noch nie eine gute Werbung für eine Pflanze. Ein Gärtner, der im Katalog erst wie gewohnt bei P (Polygonum) guckt, um dann nach B (Bistorta) blättern zu müssen, um dann endlich auf F (Fallopia), A (Aconogonon) oder doch zurück zu P (Persicaria) verwiesen zu werden, der hat bald Verständnis für Kunden, die bei der Erwähnung botanischer Namen verzweifelt mit den Augen rollen.

Herbstbild

Wer diese Hindernisse überwunden hat, kommt schnell zu dem Schluß: Polygonaceen sind eigentlich nicht zu ersetzen wenn es darum geht, langlebige und pflegearme Staudenpflanzungen anzulegen. Das sind jedenfalls meine Erfahrungen als Besitzer eines Gartens im Norden der Freien und Hansestadt Hamburg und als Planer von Staudenanlagen in privaten Gärten sowie im öffentlichen Grün. Entgegen der allgemeinen Ansicht ist es in Hamburg nicht durchweg regnerisch, neblig und kühl. Ganz im Gegenteil zeichneten sich die letzten Jahre durch ungewöhnlich langanhaltende Trockenperioden aus. So gab es in diesem Jahr während der Monate Mai und Juni in meinem Garten 15mm Regen auf den Quadratmeter- bei gleichzeitig hohen Temperaturen und permanentem Wind. Verschärfend kommt hinzu, daß dies alles noch auf sehr sandigem und durchlässigem Boden stattfindet. Wer als Gärtner einmal erlebt hat, was Kunden unter gründlich wässern verstehen, nämlich zweiminütiges Überbrausen am Abend, der weiß die besondere Qualität von Pflanzen zu schätzen, die solche Stresssituationen schad- und klaglos überstehen. Und da ist vor allem Persicaria amplexicaulis zu loben. Sie wuchs weiter trotz Hitze , machte nicht schlapp wie etwa Rudbeckien und Veronicastrum und sah, anders als viele Gräser (!), die braune Spitzen bekamen, auch vom Laub hervorragend aus.

Ihr dichtes Blattwerk, das recht früh erscheint und den Boden gut bedeckt, ist ein weiterer Pluspunkt des Kerzenknöterichs. Wer Staudenpflanzungen im öffentlichen Grün anlegt, braucht Pflanzen, die schnell erscheinen, gut sichtbar und wüchsig sind. Denn Stauden, die erst spät und zögerlich wachsen, werden von den meist ungelernten Pflegekräfte der Gemeinde nicht erkannt, zertreten oder von raschwüchsigem Unkraut überrannt.

Der Lobgesang auf Persicaria amplexicaulis ist noch zu steigern durch den Hinweis auf die absolute Schneckenverträglichkeit der Pflanze. Das trifft übrigens nach meinen Erfahrungen auch auf alle anderen Polygonaceen zu. Nach diesem Hinweis gibt es für die meisten Kunden kein Halten mehr: „Kein Ärger mit Schnecken ? Robust? Kein Wuchern ? Warum kennen wir diese Pflanze und wieso haben wir die nicht längst?“ Tatsächlich gehört Persicaria amplexicaulis bis heute nicht zum Standardsortiment hiesiger Gartencenter (und das ist ja der Ort, an dem sich die Mehrzahl der Gartenbesitzer zuerst mit Stauden eindecken). Bistorta affinis, der Schneckenknöterich hingegen ist dort immer noch zu finden. Angepriesen als guter Bodendecker, der er in unserem Klima mit immer heißeren Sommern und Kahlfrösten im Winter bestimmt nicht ist.

Persicara amplexicaule "Dikke Floskes"

Persicaria amplexicaulis als Modestaude zu bezeichnen, ist sicherlich nicht ganz verkehrt, wie ein Blick in ältere Staudenkataloge deutlich macht. Da gab es Persicaria amplexicaulis „Firetail“, „Alba“ und vielleicht noch „Rosea“. Aktuelle Kataloge aus Holland oder Belgien listen problemlos mehr als zehn verschiedene Persicaria-Sorten auf. So habe ich vor vier Jahren eine Sorte mit dem eigentümlichen Namen „Dikke Floskes“ in Holland erworben. Gezüchtet wurde dieser Knöterich wie eine ganze Reihe weiterer, von dem belgischen Gartengestalter Chris van Ghyselen. „Dikke Floskes“ ist spektakulär ! Nicht zarte Ähren, sondern daumendicke Blüten-Walzen leuchten in kräftigem, tiefem Rot. Als Nachbarn mit Farb- und Texturkontrasten bietet sich die Feinblättrige Silge (Selinum wallichianum) oder Thalictrum delavayi „Album“ an . In meinem Garten ergänzen die weiß-rötlichen Blütendolden von Viburnum x hillieri „Winton“ die Rispen von „Dikke Floskes“.

Beschreibungen zufolge soll Persicaria amplexicaulis „Alba“ schwachwüchsiger sein. Das kann ich nicht bestätigen, elegant ist die Pflanze aber allemal. Ihre Blütenkerzen sind schmal und lang und erreichen bei mir im Garten eine Höhe von ca. 120 cm. Oft ist das Ende der Blütenähren noch aufgespalten und gebogen. Ist das Erkennen bei „Alba“ noch recht leicht (alles was nicht weiß ist, ist auch nicht „Alba“) hatte ich bei Pflanzenbestellungen mit den Sorten „Firetail“ und „Speciosum“ öfter mal Probleme. Beide werden gerne in Gärtnereien als Synonym gehandelt, was sie aber nicht sind. Im Gegensatz zur klar roten Rispe von „Speciosum“ ist „Firetail“ hellrot mit einem Stich ins Orange. Und ein Stich Orange in einer Pflanzung voller rosa Phloxe kann eben ein Stich Orange zuviel sein.

Eindeutig zu erkennen ist die Sorte „Inverleith“. Die Staude blüht nämlich in nur 50-60 cm Höhe mit dunkelroten Ähren und ist damit auch für Pflanzungen geeignet, in der man die übliche Größe und Wuchtigkeit der Kerzenknöteriche nicht gebrauchen kann. In meinem Garten wächst „Inverleith“ in schöner Harmonie mit Deschampsia und Sanguisorba albiflora. Etwas höher wird die Sorte „Taurus“ mit 60-90 cm und relativ dicken Blütenähren.

Zwei rosafarbige Kerzenknöteriche stehen in meinem Garten. Die altbekannte Auslese „Roseum“ wird bis zu 160 cm hoch und blüht in hellem Rosa, Persicaria amplexicaulis „High Society“ bleibt nur unwesentlich kleiner und hat eine kräftig rosa Blütenfarbe. Beide sind durch ihre Farbigkeit und lange Blüte unersetzbar im Staudenbeet.

Im Zusammenspiel mit Anemone japonica „Honorine Jobert“, mit dunkellaubigen Cimicifugen oder mit Phloxen ergeben sich perfekte Spätsommer- und Herbstbilder. Die Ähren der bisher behandelten Kerzenknöterich haben ähnlich wie bei Veronicastrum , Lythrum oder Epilobium eine starke, Akzente setzende Wirkung in der Pflanzung. Steil senkrecht erheben sie sich aus dem Laub, wirken dynamisch , eindeutig und klar. Als luftiger Gegensatz dazu bieten sich Thalictrum, Sanguisorba tenuifolia oder Gräser wie Molinia arundinacea an. Ein noch stärkerer Kontrast kann durch die „erdend“ wirkenden Dolden wie das schon genannte Selinum wallichianum , Angelica gigas oder Eupatorium maculatum „Riesenschirm“ hergestellt werden.

Stauden am Teich mit Geranium phaeum, Knöterich und Farn

Ein Kerzenknöterich fällt hier aus der Reihe: Persicaria amplexicaulis var. pendula gehört nicht zu den eindeutigen Himmelstrebern, denn die ca. 50 cm hoch werdende Staude hat Blütenähren, die nach anfänglicher Aufwärtsbewegung gen Erde abbiegen. Das sieht eigenartig unentschieden aus. Und da die Pflanze auch noch relativ kleine Ähren in einem etwas dumpfen Rot hat, gehört sie für mich zu den Pflanzen, zu denen mir das Wort entbehrlich einfällt.

Für mich als Pflanzplaner sind Kerzenknöteriche nicht nur wegen ihrer markanten Blütenform und ihrer sehr langen Blütezeit attraktiv. Ich stehe in Privatgärten häufig vor dem Problem, eine Fläche bepflanzen zu müssen, die im Vordergrund vollsonnig ist und schon nach kurzer Strecke in den Schatten eines Hauses übergeht. Sonnige und schattige Bereiche bieten sich dem Betrachter gleichzeitig dar. Würde man sie streng nach Stahl/Hansen entsprechennd ihren Lebensbereichen bepflanzen, ergäbe das ein doch sehr unruhiges Bild. Zugespitzt gesagt: Lavendel meets Epimedium ist nicht mein Geschmack. Kerzenknöterich ist in der Lage, diese unterschiedlichen Pflanzsituationen fließend miteinander zu verbinden und zu harmonisieren.

Eine andere gute Eigenschaft ist die gepflegte Selbstaussaat der Pflanze. Geschützt durch ihre üppigen Blätter entwickeln sich rund um die Mutterpflanze Sämlinge in angenehmer Zahl. Sie lassen sich sehr gut und schnell entfernt , da ihr Wurzelwerk noch flach ist. Dann kann man sie in andere Gartenteile verfrachten oder verschenkten. Damit macht man sich Freunde.

Tricyrtis hirta "Alba" und Persicaria filiforme

Ob sich das auch von Persicaria filiformis sagen läßt? Aus anfänglicher Begeisterung über diese Pflanze habe ich sie an jeden verschenkt, der sich nicht ausdrücklich dagegen gewehrt hat.

Ich befürchte, in der nächsten Zeit einige böse Fragen beantworten zu müssen. Denn die von mir so gelobte und erwünschte Selbstaussaat dieser japanischen Waldstaude, hat nach einem milden Winter in meinem Garten ein wirklich erschreckendes Ausmaß angenommen. Ganze Flächen im Schatten gehören jetzt dieser etwa hüfthohen Staude. Habe ich anfangs das leichte Entfernen der Sämlinge gelobt, bin ich heute anderer Meinung. Die Pflanze hat Wurzeln. Und zwar mit Vorliebe in anderen Stauden. Nach dem Gemecker nun zu den Gründen, warum sie trotzdem eine gute Gartenpflanze ist. Sie mag und verträgt Schatten, sogar trockenen Schatten. Sie blüht ab August, wenn dort sonst nicht mehr allzuviel los ist. Ihre kleinen, leuchtendroten Blütchen an langen, fadenförmigen Ähren können eine ganze Schattenpflanzung in ein schwebendes Gitter aus Rot verwandeln. Als Vorschlag: Dazwischen ein paar orange Fruchtstände von Arum italicum, die weißen Schalenblüten von Anemone hupehensis „Alba“ und ein paar wenige weiße Krötenlilien und eine Herbstpflanzung im Schatten ist perfekt.

Persicaria filiformis "Lance Corporal"

Bei der Auslese „Lance Corporal“ kommt eine sehr schöne rotbraune Blattzeichnung in Form eines V hinzu, die auch zum großen Teil bei den Sämlingen auftaucht. Persicaria filiforme „Painter´s Palette“ heißt eine Sorte, die mir vor Jahren von mehreren Kollegen dringend ans Herz gelegt wurde. Muss man unbedingt haben! Sagenhaft, die Blätter sind hellgrün, weiß, gelblich und etwas rötlich gefärbt ! Die Pflanze ist nicht ganz so winterhart wie ihre Artverwandten und hat sich relativ schnell bei mir verabschiedet. Sehr traurig war ich deshalb eigentlich nicht, denn diese Art der Blattfärbung sah mir dann doch zu sehr nach einem Herbizidschaden aus.

Der erste Knöterich den ich im Garten hatte war der Wiesen-Knöterich (Bistorta officinalis) in der Sorte „Superbum“. Denn das erste was ich in unserem Garten gebaut habe, war ein Teich und es ging ja nun darum, das Teichufer schön zu gestalten. Der Teich habe ich mittlerweile umgestaltet , aber der Knöterich ist geblieben und mehrfach geteilt worden. Eine unspektakuläre Pflanze, immer hübsch anzusehen, bei ausreichend Feuchtigkeit immer gesund und kräftig. Sie ist so zuverlässig und unkompliziert, das ich sie deswegen oft übersehen habe. Wie schön die Pflanze ist, ist mir erst bewußt geworden, als ich ein Foto aus der Pflanzung betrachtet habe. Hier stehen nämlich die aufrechten, kräftig rosa Blütenähren des Knöterichs rneben dem kupferroten Austrieb von Osmunda regalis „Purpurea“ und den dunkelroten Blüten von ausgesäten Geranium phaeum flagyl online canada. Prachvoll, aber leider nicht geplant.

Mit Geranium wlassovianum

An einer Kuriosität unter den Knöterichen hatte ich etliche Jahre Freude. Auf einem Pflanzenmarkt gab es den Knöllchen-Knöterich oder Lebendgebärenden Knöterich (Bistorta vivipara) zu kaufen. Die Pflanze, auf einen schotterigen Hang gepflanzt, wurde ca. 20 cm hoch und beginnt im Sommer weiß zu blühen. Bis zum Herbst hatten sich unter den Blütchen kleinen Brutknollen gebildet, teils waren schon Blättchen zu sehen, die dann abfielen und im lockeren Schotter anwuchsen.Der Knöllchen-Knöterich ist sicherlich keine Pflanze die zu den Top 10- Stauden der Gartengestalter gehört – aber sie hat bei Gartenführungen stets für Erstaunen und Kopfschütteln gesorgt. Das Internet-Lexikon Wikipedia meldet, das die Brutknöllchen von Bistorta vivipara zur Leibspeise der Schneehühner gehören. Ich kann das hier in Hamburg leider nicht verifizieren.

Ebenso zart wie der Knöllchen-Knöterich ist Aconogonon tortuosa var. glabrifolium, den ich vor Jahren einmal von Marianne Foerster unter dem Namen Polygonum kahil geschenkt bekam. Ob kahil oder nicht, die Pflanze ist reizend. 30-40 cm hoch, mit hellgrünen, glänzenden Blättchen und einem kompakten, halbkugeligen Wuchs. Sie gedeiht bei mir vor einer kleinen Eibenhecke im Halbschatten, bedeckt perfekt den Boden und von Juli ab erscheinen in den Blattachseln niedliche weiße Blüten. Sehr schön zusammen mit zarten Schattengräsern wie Carex morrowii var. temnolepis, Epimedien oder Farnen. Leider konnte sich die Pflanze bis heute nicht zur Selbstaussaat entscheiden.

Spektakulär, aber heikel. Das beschreibt am besten meine Erfahrungen mit Persicaria microcephala „Red Dragon“, einer Einführung aus den USA. Die bis 120cm hohe Pflanze hat dreieckige Blätter in tiefem Weinrot mit einer silbernen V-förmigen Zeichnung. Von Hochsommer ab erscheinen die endständigen kleinen Blütenähren. „Red Dragon“ erwies sich bei mir als wüchsig, mit großem Raumbedarf- allerdings ohne zu wuchern. Sehr schön war die Verbindung zu den warm-orangefarbenen Blüten von Hemerocallis „Aten“ und Pennisetum alopecuroides „Moudry“. Persicaria microcephala „Red Dragon“ sieht derart exotisch aus, daß ich mir gleich die Frage stellte, ob die denn wohl auch ausreichend winterhart ist. Prompt hat sie einen Winter mit echtem Frost nicht überstanden. Am Rande eines stark benutzten Parkplatzes einer benachbarten Gärtnerei erfreut er sich allerdings seit Jahren großer Bewunderung und Ausdauer. Braucht dieser Knöterich Autoabgase um zu überleben?

Persicaria polymorphum, Aconogonon "Johanniswolke", Polygonum polymorphum

Persicaria polymorphum, Aconogonon „Johanniswolke“, Polygonum polymorphum, wie auch immer: Eine in jeder Hinsicht großartige Pflanze. Bis Ende Mai ist nichts zu sehen, dann aber zeigt sie Dynamik! Innerhalb kurzer Zeit streben aus den kräftigen Rhizomen die Stängel bis in eine Höhe von 2 Metern. Die Blüten sind anfangs cremeweiß, später rosa überhaucht und dann im Herbst rotbraun und duften sehr angenehm.In meinem Garten habe ich anscheinend zwei verschiedene Typen: bei dem einen bleiben die Stängel grün, bei einer anderen Pflanze verfärben sie sich schön rötlich – was nichts standortabhängig ist. Die Pflanze braucht Zeit und Platz! Ich habe ihre Wuchskraft mehrfach unterschätzt – damit ist nicht Wuchern gemeint oder etwa Aussaat, sondern die schlichte Tatsache, daß wie nach einige Jahren wirklich drei bis vier Quadratmeter Raum beansprucht. Die Standfestigkeit dieser Großstaude wird überall gelobt. Das stimmt – bis auf das erste Jahr nach der Pflanzung, im allgemein auch. Allerdings haben wir in Hamburg im Hochsommer immer öfter mal plötzliche Starkregen mit sehr heftigen Winden. Und dann geht der Blick immer ängstlich aus dem Fenster zu den verschiedenen „Johanniswolken“. Und oft sind sie dann nicht mehr zwei Meter hoch, sondern in ein Meter Höhe abgeknickt und umgebrochen und die Pflanze lagert in den Beeten. Das sieht dann nicht mehr so toll aus und ist auch nicht zu reparieren. Trotzdem ist sie großartig. Sie bildet das Rückgrat der Pflanzungen, beherrscht mit ihren Blütenwolken lange Zeit den Garten und ist auch im Winter schön: nachdem die Blätter abgefallen sind, sind die eigenartig, versetzten Stängelsegmente bis ins Frühjahr hübsch. Phantastisch ist dieser Knöterich zusammen mit den Ähren von Veronicastrum virginicum „Lavendelturm“ oder „Fascination“, mit dem leuchtenden Blau von Aconitum carmichaelii var. arendsii, mit Miscanthus, mit Phloxen wie Phlox paniculata „Hesperis“ und Echinops.Aber nicht nur im Zusammenspiel mit anderen Großstauden zeigt Polygonum polymorphum seine Stärke. Die Mächtigkeit der Staude habe ich in einer Pflanzung mit der schwebenden Leichtigkeit von weißen Echinaceen, Thalictrum und dem grazilen, silbernen Miscanthus „Morning Light“ als ungeheuer beruhigend empfunden. Zusätzlich spielt der weiße Riese in meinem Garten eine Rolle als Gehölzersatz: Er schirmt, als Hecke gepflanzt, einen nur im Sommer benutzten Sitzplatz perfekt zur Straße ab.

Persicaria amplexicaulis var. pendula

Mit Ausnahme brandheißer und sehr trockener Plätze verschönern Polygonaceen alle Teile meines Gartens. Knöteriche sind für mich unverzichtbar geworden. Und deshalb singt mir der Chor der zufriedenen Privatkunden jeden Abend ein kleines Loblied auf den einst gefürchteten Knöterich und bedankt sich so für meine Überzeugungsarbeit. Gärtnern ist doch ein schöner Beruf.

Veröffentlicht in „Schweizer Staudengärten“, Heft Polygonaceae, 2009, der Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde

Nachtrag und Aktualisierung des Autors:
Ein Jahr später widerrufe ich hiermit ausdrücklich meine Aussage, daß Persicaria amplexicaulis var. pendula eine verzichtbare Pflanze sei. Stimmt nicht, die Pflanze ist schön und absolut reizvoll. Jede Pflanze sieht dann bescheiden und erbärmlich aus, wenn man ihr nicht das gibt, was sie braucht. Und die Pendula-Form des Kerzenknöterichs braucht ein bisschen mehr Feuchtigkeit. Mea culpa, mea maxima culpa.

Alle meine Kollegen haben bezweifelt, da es tatsächlich die von mir beobachteten Farbunterschiede bei den Sorten „Speciosum“ und „Firetail“ des Kerzenknöterichs gäbe. Ich bleibe starrsinnig bei meiner Haltung.

Eine für mich großartige Neuentdeckung des letzten Jahres war Persicaria campanulata, der Himalaja-Glocken-Bergknöterich. Bei ausreichend Feuchtigkeit eine langanhaltend blühende, fast hüfthohe Staude mit allerdings beachtlichem Ausbreitungsdrang. Bitte Raum einplanen!

Und letzte Woche bei Kunden entdeckt: im Beet steht ein Knöterich mit schönem, rötlichem Laubaustrieb. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Auf die Frage, was denn das hier sei, sagt die Kundin“ Weiß ich gar nicht mehr. Was ganz Seltenes auf alle Fälle. Habe ich auf dem Pflanzenmarkt am … gekauft.“ Jetzt entdecke ich die Seltenheit allerdings auch zwei Meter weiter im Beet. Und im Rasen. Und im Naturstein-Pflaster. Diese Katastrophe heißt Reynoutria japonica var. compacta, eine niedrigere Form des berüchtigten Japan-Knöterichs und wird auf Pflanzenmärkten als harmlos verkauft. Ich glaube, der korrekte Name der Pflanze ist Reynoutria japonica „Fukushima“.

Jörg Pfenningschmidt legt seit 13 Jahren in und um Hamburg herum Staudenpflanzungen in Privatgärten und im öffentlichen Grün an.
Und schreibt auch noch darüber.
www.naturdesign-staudengarten.de